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Lebensgefühle – zu Hause ist es am schönsten!?

Der Beitrag thematisiert das Konzept „Zu Hause fühlen“ und „Heimat“ unter psychologischer und architektonischer Perspektive. Psychologische Betrachtungen zeigen die Bedeutung von räumlichen (und sozialen) Umwelten für das Wohlbefinden. Unsere gegenwärtigen gesellschaftlichen Dynamiken führen wiederum nicht selten zu einer Perspektive des Verlusterlebens von räumlicher Vertrautheit und Heimat im hier und jetzt. Insofern besitzt Heimat oft einen Sehnsuchtscharakter, der sich auch in besonderen Vorlieben baulicher Formensprachen niederschlagen kann. Die Suche nach Vertrautheit im Unvertrauten führt oft zu architektonischen Wünschen im Sinne bekannter Strukturen. Am Ende des Textes wird die Frage diskutiert, ob und wie eine „Vertrautheitsplanung“ stattfinden kann.

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Im Kräftefeld „Erlebnis – Sicherheit“ konzentriert sich gegenwärtig unsere gesellschaftliche Bedürfnislage. In einer möglichst sicheren Struktur sollen maximale Freiheiten möglich sein. Diese Tendenz auf Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung übertragen, könnte eine psychologische Erklärung für die Beliebtheit vergangener „architektonischer Bühnen“ bei gleichzeitiger „moderner Bespielung“ sein. Dies ist übrigens kein Phänomen der Postmoderne, bei der alles leichtfüßig möglich scheint, sondern findet sich beispielsweise schon bei Winckelmann (1717 – 1768), der als Idealbild der Ästhetik auf das antike Griechenland verweist (vgl. Zimmermann, 2003). Die Besonderheit des Heimes, der Wohnung, also des „zu Hause seins“ liegt in der Möglichkeit, die direkte Umwelt nach eigenen Bedürfnissen zu gestalten und somit ein Teil der eigenen Identität werden zu lassen. Planungen sollten also Freiheiten als Grundlage eines Identifikationsportals einbeziehen. Das bedeutet weniger, einen frei bespielbaren Raum zur Verfügung zu stellen, sondern einen Raum dialogisch mit Nutzerinnen und Nutzern zu planen und aufrecht zu erhalten. Die Idee einer „Vertrautheitsplanung“ bleibt ebenso nicht in der Imitation der Vergangenheit stecken, sondern in ihr liegt die Chance, das „zu Hause sein“ zu einer persönlichen und strukturellen Kompetenz im Umgang der eigenen Person in und mit einer bestimmten räumlichen und sozialen Umwelt zu machen. „In diesem Sinne ist Heimat nicht mehr das Bestehende, sondern das zu Schaffende“ (Herlo, 2003; S. 36). Der Gedanke einer „Vertrautheitsplanung“ sensu Wustlich (1979) im Sinne einer kommunikativ angelegten Planungstheorie hat das Potenzial zu einer sinnvollen Auseinandersetzung mit dem Thema „zu Hause“/Heimat, die über die eigenen vier Wände hinausgeht und das Quartier, die Stadt und weitere Dimensionen einschließt.

Autor Kai Schuster
titel Lebensgefuehle - zu Hause ist es am schönsten!?
Herausgeber Angelika Wolf, Elisabeth Appel-Kummer
Publikation Naherholung in Stadt und Land
Verlag Books on Demand, Norderstedt
Jahr 2009
Seiten 124-132
Sprache Deutsch