Schöner Parken

Schöner Parken. Die private Garage als utopischer Raum des Einfamilienhauses

In der gegenwärtigen westlichen Gesellschaft lässt sich eine stark individualfokussierte Ästhetisierung und Fetischisierung des Automobils beobachten. Von den Automobilkonzernen wird ein Image transportiert, das sich fast ausschließlich auf das Auto mit all seinen Möglichkeiten und den dynamischen Prozess des Fahrens bezieht. Eine Kontextualisierung mit dem konkreten Ort, an dem das fahrende Vehikel zur Ruhe kommt, findet nicht statt. Ist das Auto etwa ein dynamisches Objekt, das fährt und fährt und fährt, aber niemals ankommt?

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Im Gegensatz zum Fahren, ist die Alltäglichkeit des Automobils jedoch weniger von Dynamik, als vielmehr von Stillstand gekennzeichnet, was keineswegs negativ zu sehen ist. Der statische Zustand des Parkens ist sein eigentliches Charakteristikum: das, der ständigen Verfügbarkeit, also der „auto“-Komponente, die der „mobil“-Komponente des öffentlichen Nahverkehrs auf Grund der Selbstbestimmtheit überlegen ist. Die mobile Selbstbestimmtheit ist einerseits in funktionaler Hinsicht erstrebenswert. Andererseits ist das Automobil ein Objekt, auf das der individuelle Lebensstil perfekt projiziert werden kann. Aus der Vielzahl der heute verfügbaren Modelle, der Farbe, der Ausstattung und weiteren Accessoires lässt sich das Auto soweit personalisieren, dass es eben nicht mehr ein Massenprodukt widerspiegelt, sondern durch Aneignung und Identifikation zum entscheidenden Stil-Ausdruck wird.

Während Straßen die Stadt räumlich definieren und fahrende Autos eines der Indizien für Urbanität sind, unterliegt das Parken noch immer dem gesellschaftlich-intrinsischen Wunsch, das sonst so hochstilisierte Auto möglichst unsichtbar zu deponieren und der Urbanität zu entziehen. Das Automobil ist jedoch ein untrennbares Element unserer gebauten Umwelt: Carchitecture, carburbia und drive-by architecture sind Teil unserer Kultur, die eine Integrationspolitik des parkenden Automobils notwendig macht.

Autor Marc Kirschbaum
titel Schöner Parken. Die private Garage als utopischer Raum des Einfamilienhauses
Herausgeber Europäisches Haus der Stadtkulturen e.V.
Publikation Hauspark_Parkplatz. Parkhäuser und Parkideen im 21. Jahrhundert
Jahr 2006
Seiten 24-34
Sprache Deutsch
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